Dienstag, 13. Januar 2015

Kalte Füße!

Ich habe schon immer eher die Wärme der Kälte vorgezogen. Das fängt beim Sommerurlaub an anstatt des Winterurlaubes, Melancholie wenn sich der Winter in Deutschland angekündigt hat und hört mit absurd guter Laune auf, wenn der Frühling langsam alle Pflanzen und auch irgendwie die Menschen (mich zumindest) zum Leben erwachen lässt. Vielleicht habe ich das auch ein wenig von meinem Vater geerbt, der, wie meine Mutter zu sagen pflegt, immer in leichte Winterdepressionen verfällt sobald die Tage kürzer werden, man nicht mehr draußen im Garten rummuddeln kann und beim Joggen einem die tropfende Nase zufriert. So weit so gut.
Was aber wirkliche Kälte mit einem anstellt, wenn man sich nicht dagegen wehren kann, da hatte ich keine Ahnung.
Für mich bedeute Kälte bisweilen ein Gefühl oder eine Situation der ich entweichen konnte. Es war niemals ein Dauerzustand. Habe ich überhaupt einmal so richtig gefroren?
Und wie absurd es sich anhören muss, dass gerade ich, die gerade in Indien herumspringt, sich über Kälte und frieren Gedanken macht. Aber manchmal ist das unwahrscheinlichste, dass was wirklich beschäftigen sollte.
Ich komme auf das Thema, da ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren musste, was es heißt zu frieren und nichts dagegen machen zu können.
Wir sind über Nacht mit dem Zug von Nagpur(liegt in Zentralindien) zurück Nachhause nach Hyderabad, also in den Süden Indiens gefahren. Ab 2 Uhr nachts lagen wir auf unseren Pritschen und versuchten uns so warm wie möglich zu halten. Drei lagen als Oberteil, Socken und Decken brachten Garnichts. Die Kälte kroch durch die leichten Stoffe die sonst völlig ausreichen in die Knochen, sodass man sich einfach nicht mehr bewegen mochte und man sich ewig in Embryohaltung zusammen kauerte. Der Windzug aus den Schlitzen der undichten Fenster machte es nicht besser. Irgendwann lagen wir vier Mädels nur noch verteilt auf zwei Betten, weil Körperwärme die einzige Lösung war um sich ein wenig aufzuwärmen. Das Bild was wir wohl abgegeben haben müssen, erinnerte sicherlich an Sardinen in der Büchse. Die Betten sind nicht wirklich für zwei Menschen ausgelegt, aber das war schon okay. Wenn man sich umdrehen wollte, musste der andere halt auch.
Ich rede hier gar nicht mal über Minusgrade. Ich spreche über Temperaturen von 10-15 Grad in der Nacht. Wenn man aber den ganzen Tag bei mehr als 30 Grad herumgelaufen ist, dann ist der Temperatursturz mehr als ausreichend damit einem kalt wird. Wenn ich das Freunden in Deutschland erzähle, ist die Reaktion eigentlich immer die gleiche. Ein müdes Lächeln und ein kleiner Spott. In Deutschland sei es ja viel Kälter. Dem würde ich auch nicht widersprechen. Trotzdem habe ich gefroren und den Indern ergeht es da noch schlimmer, da sie sich noch viel, viel mehr an das warme Klima gewöhnen. Sie ziehen sich schon bei 20 Grad den Pulli über, da es ihnen sonst zu frisch wird.
Am Schlimmsten war für mich allerdings der Gedanke, dass manche Menschen solche Nächte nicht nur einmal erleben müssen, so wie ich. Ich lag wenigstens in de Gewissheit da, dass mich in der nächsten Nacht mein warmes Bett empfängt. Wie viele Menschen dürfen nicht mit diesem Gedanken nachts einschlafen? Mit dieser Frage im Kopf wurde mir natürlich nicht unbedingt wärmer. Trotzdem bin ich im Nachhinein um die Erfahrung dankbar, da ich mir ansonsten niemals so intensiv darüber Gedanken gemacht hätte.
Frieren in Indien? Ja, frieren in Indien geht, sogar ziemlich gut. Was man dagegen tun kann weiß ich nicht. Ich werde aber anfangen auf irgendeine Art zu helfen. Auf welche Art weiß ich noch nicht. Einfach weil jetzt eine vage Vorstellung davon habe, wie scheiße es ist zu frieren.
Ich habe immer noch kalte Füße.

Bis bald Johanna

Montag, 12. Januar 2015

Welcome to India Hartmut!


Junge, junge. 22 Tage aus‘m Haus gewesen. Was ist passiert?
Luises und mein Abenteuer begann damit, dass Barbara, Hartmut und Nora, auch unter Luises Familie bekannt, nach Hyderabad kamen und wir ihnen unsere neue und auch irgendwie eigene Welt zeigen durften. Luises Nervosität vor dem Aufenthalt konnte ich verstehen. Sie wollte, dass es ihren Eltern genauso gut gefällt wie ihr und dass einfach alles so klappt wie sie es sich vorgestellt hat.
Sie sollten genauso vom Indienfieber gepackt werden wie wir!
Somit zogen wir so richtig schön das Touriprogramm mit ihnen durch. Das Wahrzeichen Hyderabads der Charminar, der hinduistische Tempel Birla Mandir und der Palast Chowmahalla wurden besichtigt. Erkläre ich jetzt nicht alles. Bei Interesse einfach Onkel Google fragen. Der hilft immer gerne. Das wurde auf jeden Fall von uns abgeklappert und natürlich durften sie auch ins Waisenhaus reinschnuppern wo die Mädels mindestens so große Augen bekamen wie wir  bei den deutschen Süßigkeiten die die Gäste verteilten.
Aber was erzähle ich hier? Das eigentlich wichtige Ereignis hatten sie in ihrem Gepäck. Ein richtiges Leib Graubrot!!!Ich übertreibe nicht im Geringsten wenn ich sage, dass ich Gänsehaut bekommen habe alleine beim Geruch. Dass das zusammen mit Nuspli und, aufgepasst Nudossi nicht lange in unserem Haushalt bestand hatte muss ich wohl nicht weiter erklären! 
Gänsehautmoment! 

Des Weiteren hat meine liebe Familie mir ein Packetchen zukommen lassen indem doch tatsächlich der alte Laptop meines Bruders enthalten war und somit müssen wir Mädels uns jetzt nicht mehr zu viert einen PC teilen. Was by the way besser geklappt hat als man meinen mag. Zusätzlich, meine Mutter konnte es nicht lassen, war noch Weihnachtsschnickschnack drin. Einfach weil ich so drauf stehe. Meine Mutter kennt mich halt...
Danke Mama an dieser Stelle.
In den nächsten Tagen durfte sich Hartmut dann gegen vier Frauen behaupten, was am ersten direkt mal in die Hose ging. Ein kurzer Schwächeanfall knockte ihn nach der Auto Rikshawfahrt zu fünft aus. Ein eingeschlafener Fuß, das Gewicht einer seiner Töchter auf dem Schoß (ich lasse hier mal aus welcher der bezaubernden Töchter es war), ein eingeklemmter und daher blutenden Finger und die geballte weibliche Frauenmacht war zu viel. Danach witzelte er noch rum und meinte, dass ich das ja in meinem Blog als gute Story verwursten könnte. So „Welcome in India“ mäßig. Tja, was soll ich sagen? Danke für den Vorschlag Hartmut!!
Nach einer ordentlichen Dröhnung Chai lief unsere Reise aber dann wieder wie geschnitten Graubrot mit Nuspli.
Über Bidar, Gulbargar, Bijapur und Badami hat uns unser Reiseführer Venki die Geschichte Indiens und den Hinduismus zu Gemüte geführt. Der gute Venki hat das ein oder andere mal durchblicken lassen, dass er den Muslimen aufgrund der Geschichte die sie in Indien haben eher kritisch gegenübersteht. Ich musste mir hier und da das ein oder andere unnötige Kommentar verkneifen, dass unweigerlich zu einer Grundsatz Diskussion geführt hätte. Im Gegensatz dazu ist die Geschichte des Hinduismus um es mit seinen Worten auszudrücken „biiutifull“. Natürlich!










Musste sein! Für Mama :*




Nach der ganzen Kultur haben Luise und ich für Abwechslung gesorgt. Die Abwechslung hieß ‘Sunburn Festival Goa‘! Der Trip ging in jeder Hinsicht köstlich los, da wir im Zug mit einer netten christlichen Gemeinde zusammen auf engstem Raum die 8h Zugfahrt teilen durften. Die haben es sich dann natürlich nicht nehmen lassen uns mit Kuchen, Snacks, Reis, Curry und Chutney durch zu füttern. Super lecker, super nett und natürlich waren auch alle super interessiert an uns. Ohrstöpsel in den Ohren und eine Zeitschrift vor der Nase werden da beflissentlich übersehen und einfach drauf los gefragt, egal ob du schon zuhörst oder nicht.
Unsere flotte Reisetruppe auf dem Weg nach Goa.

Ja, Sunburn...Sunburn war nett.
Laute Elektromusik, Multi kulturell, viel tanzen und irgendwie wenig Essen. Die Mahlzeiten innerhalb der drei Tage bestanden aus Zwieback, 2 Tage alte Pommes, Ketchup, Toast und mehreren Wassermelone am Strand. Und wir durften in einem super süßen Bungalow von unserem Gastvater Peter übernachten. Dieser hat in jederlei Hinsicht gut auf uns 2 Mädels aufgepasst.
Peter das olle Schlitzohr! 

Sunburn
Kein perfektes Bild. Einfach mal um eine Idee zu bekommen was für eine Party die da abgefackelt haben. Das ist die Hauptbühne neben 4 weiteren Bühnen.
Füße hoch und Wassermelone!

Die letzten Tage unseres Urlaubes haben wir dann wieder mit alle man am Strand in Goa verbracht. Und wie der Zufall es so will waren unsere 2 anderen Mädels aus unserer Hühner Wg auch in Goa und natürlich auch am selben Strand wie wir es waren. Wir haben alle zusammen festgestellt, dass Indien einfach zu klein für uns ist :D Den quasi-gemeinsam-Urlaub haben wir dann auch genutzt um eine richtig, richtig, richtig schöne Moped Tour durch den Norden von Goa zu machen. Ich und Ulla haben das Zepter übernommen und sind gefahren und wir hatten jeweils dann noch ein Mädel hinten drauf. Es war einfach traumhaft. Es stimmt zwar, dass Goa sehr touristisch ist und viele dort herkommen um günstig einen durch den tTisch zu treten, weil der Alkohol vergleichsweise günstig ist. Auf der anderen Seite ist Goa aber auch einfach so wundervoll grün aufgrund  der vielen Palmen und anderem Grünzeug und reich an tollen, kilometerlangen Sandstränden. Ich hoffe, dass ich das Bild niemals vergessen werde wie wir auf einer schmalen, schlecht gepflasterten Straße fuhren, Ulla und Luise vor mir, Nora dicht hinter mir auf dem Moped. Auf der rechten Seite wurde der Straßenrand mit Hilfe von süßen kleinen Hütten, netten, hilfsbereiten Goanern die uns den Weg gezeigt haben und hunderten von Palmen verziert. Links tat sich ein paar Meter von uns das arabische Meer auf. In der Situation musste ich einfach an den Songtext `Was kann die Welt dafür das ich sie liebe` ein. Apropos hilfsbereiter Goaner. Eigentlich sind wir  nach Schildern gefahren und das auch relativ erfolgreich sogar. Wenn wir uns dann aber doch nicht so sicher waren, fragten wir die Einheimischen. Bei der Frage in welche Richtung wir müssen, was sie uns mit einer schlackernden Handbewegung versuchten verständlich zu machen, waren sie sich auch noch meistens einig. Bei der Frage, wie viele Kilometer es denn noch wären, gestaltete es sich schon schwieriger  die tatsächliche weite abzuschätzen. Von anfänglichen 1 ½ Km über 4 km. Somit müssten wir uns immer weiter entfernt haben. 2 plitsche Motorradfahrer haben uns dann am Ende so zusagen an die Hand genommen. Sie sind vorgefahren und wir hinterher. Das alles wurde natürlich auf der Straße, während der Fahrt und mit Händen und Füssen kommuniziert.
Nach Silvester sind dann die Eltern von Luise zurück Richtung Deutschland geflogen und auch wir sind für 12h Richtung Heimat Hyderabad. Die 12h aufgrund unserer direkten Weiterreise nach Nagpur zum zwischen Seminar. Ja genau, Zwischenseminar. In ein paar Tagen ist für uns tatsächlich schon Halbzeit hier in Indien. Das ist aber ein anderes Thema.
Aus dem Seminar nehme ich den Fischtag an dem alles möglich ist, Mango Marmelade am neuen, weißen Oberteil, witzige Abenden auf dem Dach, viel Motivation und Ideen für die Arbeit in Hyderabad und eine fette Erkältung mit.
Danke also an alle Nagpurianer die die Zeit so schön gemacht haben!
Wenn ich jetzt resümieren müsste über die letzten Tage, dann kann ich wohl behaupten eine ziemlich gute Zeit gehabt zu haben.
Bild bald Johanna


Sonntag, 7. Dezember 2014

'Routine'



Johannas Tag:
Luise und ich haben die Möglichkeit jeden Morgen so richtig schön ausschlafen zu können und diese nutzen wir auch. Schon morgens dringen die Stimmen der Händler auf den Straßen zu uns in den 4. Stock. Jeder hat so seinen eigenen Singsang drauf an dem selbst wir schon den einen oder anderen erkennen ohne ihn zu sehen, wie zum Beispiel den Zwiebelmann oder der Schnick-schnack-krims-krams Verkäufer.
So um 10 Uhr bequemen wir uns also aus dem Bett um zusammen zu frühstücken. Wir haben uns den Luxus genommen, jeden Morgen Cornflakes und Haferflocken zu essen. Das mag sich nicht unbedingt nach Luxus anhören, alleine weil ich das in Deutschland auch jeden Morgen gemacht habe und das für mich das normlaste von der Welt war. Hier allerdings würden wir jeden Morgen umsonst Frühstück bekommen, allerdings scharfen Reis mit Soßen. Das indische Frühstück haben wir die ersten zwei Wochen ausprobiert, aber wir waren uns einig, dass wir das mögen, aber nicht unbedingt damit den Tag starten müssen. Allerdings ist Müsli verglichen zu anderen Lebensmitteln teuer. Durch unsere Frühstücksgewohnheit die halt auch ein wenig Milch benötigt haben wir unseren Lieblings  Milchmann getroffen, der auch gleichzeitig die Aufgabe des Telugulehrers übernommen hat. Nun kann ich meine Milch und meinen Joghurt auf Telugu bestellen ‘‘oaka half liter  palu, oaka perugu‘‘. Wenn ich damit ankomme, freut er sich immer und wenn ich ihm dann noch auf Telugu eine gute Nacht wünsche kann er sich ein Lachen meist nicht mehr verkneifen.
Am Morgen erledige ich meistens noch ein paar angefallene Sachen wie Blogeinträge schreiben, die Bude auf Vordermann bringen, Stundenvorbereitung für den Tag oder einfach nur lesen. Dann geht’s los entweder mit dem Zug in dem Slum zu den Mädels. Hier werden wir manchmal mehr manchmal weniger erwartet. Die Mädchen haben das eine oder andere Mal ein kleines Motivationsproblem und daher müssen wir uns immer nette Lernspiele ausdenken, damit wir sie bei der Stange halten. Die Arbeit dort macht uns aber Spaß und daher bleiben wir da dran. In dem Lehrraum ist in unseren Unterrichtsstunden immer high life. Zur Mittagszeit wird dort für die Kinder essen ausgeteilt und auch ‘Mittagsschlaf‘ gehalten. Letzteres klappt immer mit weniger Erfolg, da unsere Arbeitsmaterialien und wirklich alles andere grade spannender scheint, als ein Mittagsschlaf. Die Kiddies werden dann immer von der Köchin zur Räson gerufen. Die Frau ist sicherlich schon über die 60 Jahre und ich würde sie als gute Seele des Slums bezeichnen. Jeden Tag kocht sie große Mengen Reis, Eier und eine Soße für alle Kinder des Slums, teilt es aus und füttert sie auch manchmal. Zudem hat sie ein Stimmenvolum auf das man neidisch sein kann, wenn ihr etwas nicht gefällt, dann hören das auch noch die Nachbarn 3 Hütten weiter. Und sie schafft es einfach  immer tolle Saris zu tragen.
Irgendwie eine tolle Frau!

Oder wir fahren in die Schule, die für Kinder aus ärmeren Verhältnissen ist. Hier geben wir dann den 3., 4. oder 5. Klässlern Computerunterricht. Wenn wir dort ankommen, rennen die Schüler uns schon entgegen und rufen ‘Aka, Aka‘, was übersetzt sowas wie Schwester heißt. Ich finde es ganz schön, dass die meisten uns mit ‘Sister‘ oder ‘Aka‘ ansprechen, weil ich mich nicht als ‘teacher‘ und schon gar nicht als Madame fühle oder sehe. Es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis der Trubel um uns weniger wird an der Schule.
Zum Mittag kommt dann unsere persönliche gute Seele, Amma, zu uns und bringt uns unser Lunch. Das besteht meist aus Reis, einem Curry und manchmal Chapatis. Ich liebe ihr Essen und ich habe mir fest vorgenommen, ihr einmal über die Schulter zusehen, wie sie ihre Currys macht, damit ich das Zuhause vielleicht auch mal hinbekomme. So wie sie, schaffe ich es aber nie, mache wir uns mal nichts vor. Nach der Mittagspause die ich mir 2 Kaffee rumzukriegen pflege geht es dann weiter zum Waisenhaus. Hier warten 22 Mädels auf uns, die alle gleichzeitig animiert werden wollen. An manchen Tagen machen wir einfach nur Hausaufgaben mit ihnen, lesen etwas oder spielen Spiele mit ihnen. Manchmal planen wir aber auch ein Programm, welches wir dann versuchen mit möglichst wenig Chaos durchzukriegen. Wenn wir neue Materialien mitbringen ist die Aufregung meistens so groß, dass das eigentlich Programm in den Hintergrund gerät und einfach nur die zum Beispiel neuen Stifte, bunte Blätter oder Plakate ausprobiert werden müssen. Mal früher mal später machen wir dann dort Schluss und setzen uns entweder noch mit unseren Handys hin und gehen ins Internet oder gehen nachhause. Angekommen warten dann die anderen zwei Mädels auf uns und wir essen alle zusammen Abendbrot und schnacken meistens noch ziemlich lange über unseren Tag und Gott und die Welt. Entweder wir gehen dann getrennt Wege und lesen noch oder wir machen einen Filmeabend.
Dann geht’s ab in die Furzmulle und am Morgen geht’s wieder los.
So oder so ähnlich sieht mein Tagesablauf hier in Indien aus. Es hat lange gebraucht, an die 2 Monate, um so etwas wie eine Routine reinzubekommen. Allerdings weiß man hier nie, was einem der Tag bringt. Einmal wird man spontan vom Manager zu einer großen Veranstaltung mitgenommen, wie dem World Aids Day oder man darf statt der 1/2 Stunde warten auf den Bus mal  1 1/2h warten oder in einem Tempel übernachten und leben plötzlich Männer 41 Tage im Tempel der nicht weit von uns weg ist oder wir haben mal wieder 4 Tage Wassermangel und sind gezwungen Katzenwäsche zu betreiben, dann verschwindet unser Mülleimer vor der Tür, dann taucht eine Zeitung vor unserer Tür auf wie von Geisterhand, dann werden wir spontan zu einer Party eingeladen, dann dürfen wir mal wieder Fotos mit Indern machen die sich freuen, weiße zusehen und immer gut ist wenn wir früh morgens erfahren, dass heute ein Feiertag ist und wir nicht arbeiten brauchen.
Somit ist das Wort Routine hier nicht ganz angebracht, aber genau das genieße ich.
Bis bald Johanna

Freitag, 21. November 2014

Eine Jobmöglichkeit weniger!




Ich ziehe für meine Zukunft sehr viele Möglichkeiten in Betracht, was ich studieren könnte und was für mich als Beruf in Frage kommen würde. Eine Möglichkeit allerdings verwerfe ich mal direkt. Schuhverkäufer in Indien. Nicht das ich ernsthaft drüber nachgedachte habe, aber eine Möglichkeit ist es immerhin gewesen. Luise und ich haben es uns tatsächlich nach 3 Monaten und 17 Tagen gegönnt shoppen zu gehen. Wir sind nicht bummeln, flanieren oder nur mal so gucken gegangen, nein. Wir waren shoppen! Hierfür suchten wir uns natürlich nicht irgendeine Mall in Hyderabad aus, sondern es musste dann natürlich auch direkt die größte sein. Dafür sind wir in den Zug gestiegen für ungefähr 45 Minuten. Zug fahren gehört zu meinen neuen Lieblingsbeschäftigungen. Selbst wenn der Zug relativ leer ist und die Möglichkeit bestehen würde, Sitzplätze zu ergattern, setzen wir uns lieber an den Platz wo in Deutschland die Tür wäre auf den Boden. Von hier bekommt man am meisten Fahrtwind ab, wenn der Zug nicht gerade mal wieder steht, was relativ oft vorkommt. Zudem hat man den besten Blick an die vorbeizischenden Gebäude und Menschen. Praktischerweise ist es in Indien selbstverständlich, dass Frauen und Männer getrennt Reisen können indem es in jedem Zug Frauenabteile gibt. Das ist eine gute Ausweichmöglichkeit, da die Generalabteile oftmals ziemlich voll sind. Selbst in Bussen sind die ersten 3-4 Reihen für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Frauen reserviert. Wenn sich hier doch mal ein Mann hin verirrt, wird dieser meistens ziemlich barsch von einer Inderin auf die hinteren Plätze verwiesen. Diese Plätze stehen ihnen zu und die verteidigen sie auch. Die meisten Männer machen aber für dich Platz ohne zu murren. Amüsanter sind da manchmal die Wortgefechte zwischen den älteren Menschen. Schon des Öfteren haben wir lautstarke Diskussionen darüber mitbekommen, wer denn nun älter ist und wer somit eher das Recht hat, auf dem Platz zu sitzen. Wir verstehen meistens Bruchstücke eines Gespräches, da in vielen indischen Sprachen und so auch in Telugu, des Öfteren Englische Wörter mit eingebaut werden. Das macht es einfach wenigstens das Thema des Gespräches mitzubekommen. Wenn es also um ihr Recht auf einen Sitzplatz geht, können Inder schon mal ungemütlich werden, obwohl sie sonst so friedliche Mitmenschen sind.
Leider haben wir es so ziemlich aufgegeben Telugu zu lernen. Wir kommen mit Englisch super aus und wenn wir auch nur aus unserem Bundesstaat rausfahren, würde uns die Sprache schon nichts mehr bringen. Denn nur in Telangana und Andhra Pradesh ist Telugu die Amtssprache. Hindi hätte mich eindeutig mehr gereizt zu lernen. Das ist von den mehr als 300 Sprachen die weitverbreitetste und wird auch in der Schule unterrichtet.
In der Mall angekommen, fühlte es sich dann an, als wären wir für ein paar Stunden aus Indien herauskatapultiert wurden und in eine Amerikanische riesen Mall gefallen. Lange kahle Gänge, komplett klimatisierte Läden, Restaurants wo Alkohol verkauft werden darf, Fleischsorten außer Hähnchen und natürlich die teuren Preise der Waren. Das alles finden wir in unserem alltäglichen Leben nicht. Es ist strikt verboten auf öffentlichem Gelände Alkohol zu trinken und Restaurants schenken kein Alkohol aus, nur Bars und Clubs mit einer Genehmigung. Auch sieht man kaum andere Fleischsorten als Huhn. Für Hinduisten ist die Kuh ein heiliges Tier und somit wird natürlich auch nicht das Fleisch gegessen und auch Schweinefleisch wird nicht oft gegessen, da hier auch viele Muslime leben. Ziege ist neben Huhn noch recht beliebt. Uns stört das allerdings wenig, da wir so gut wie jeden Tag vegan oder vegetarisch essen.  Das zeichnet die südindische Küche für mich aus, dass es das normalste von der Welt ist, jeden Tag vegetarisch oder gar Vegan zu essen. Zu größeren Anlässen gibt es aber dann auch mal Fleisch und das ist der Wahnsinn. Die Frauen schaffen es, dass das Fleisch so zart ist, das es dir quasi vom Knochen fällt und mit dem Curry ist es dann so richtig gut mariniert und scharf. Ich habe zwar ein bisschen gebraucht, aber nun will ich das scharfe Essen nicht mehr missen müssen. Wenn wir Deutschen Mädels zusammen sitzen und essen, witzeln wir schon immer darüber, dass das Deutsche Essen uns nicht mehr schmecken wird und wir auf alles erstmal eine Portion Chili hauen müssenwenn wir wieder Zuhause sind. Wir bilden uns auch ein uns an das scharfe Essen gewöhnt zu haben und mit dem schärfe Grad der Inder langsam mithalten zu  können. Auf jedenfall liegen wir nicht mehr nach jeder Mahlzeit keuchend und nach Wasser verlangend auf dem Boden.
Natürlich kamen Luise und ich nicht am Foodcourt vorbei, wo ein Mc Donalds und Subway zugegen war. Ich habe mir einen kleinen Wrap und zwei Kaffee geholt für umgerechnet 1,80 Euro. Selbst bei einer Kette wie Mc Donalds, kriegen sie es hin, dass es irgendwie indisch schmeckt  und scharf ist.
Wir sind, ganz wiedererwartend, auch fündig geworden. Unteranderem gab es Schuhe für mich und Luise. Als mir die richtige Größe gebracht wurde, durfte ich mir die Schuhe aber nicht selber anziehen, sondern mir wurde der Schuh angezogen. Das war mir eher unangenehm als dass ich es für hilfreich empfand. Ich bin nicht so ein Fuß Fan und daher brauche ich es nicht, dass mir jemand an den Füßen rum grabbelt. Das konnte der junge Mann aber nicht wissen und hat somit nur seinen Job gemacht. In diesem Moment kam mir der Gedanke, dass ich lieber keine Schuhverkäuferin in Indien werde. Ich finde es schon unangenehm wenn mir jemand an die Füße geht, aber noch schlimmer sind da fremde Füße.
 Bis bald Johanna

Sowas wie Halloween!

Ein bisschen verspätet haben wir am 2.11 mit den Kindern ein bisschen Halloween gefeiert. Tagsüber haben wir Kürbisse ausgehöhlt, Hexen und Fledermäuse ausgemalt und Abends gab es eine Gruselgeschichte.



Grrr!


Gruselgeschichte im dunklen. Die leuchtenden Gesichter von den Kürbissen waren ein echtes Highlight!

Montag, 27. Oktober 2014

Impressionen

Es war mal wieder Festivalzeit, diesmal unter dem Namen 'Bathukamma', welches ein Blumefest ist. Das Bild zeigt ein paar Kinder die im Wasser spielen, dass mit Blumen gefüllt wurde.

Die große Entdeckung. Es ist manchmal schon schwierig genug einen normalen Mülleimer ausfindig zu machen. Etwas zu finden, wo man auch noch Müll trennen kann, war der Wahnsinn.

Kochen ist hier in den allermeisten Fällen immer noch Chefsache, also Frauensache. An der Geburtstagfeier unserer Präsidentin saßen alle Mitarbeiterinnen zusammen und kochten stundenlang für mehrere hundert Leute.
Wie gesagt, wenn gekocht wird, dann im großen Stile. Die Töpfe für Reis sind dementsprechend groß.

Kabbadi. Ich erwähnte das Spiel schon einmal. Da dachte ich allerdings noch, dass es ein Mänderspiel sei mit prügeln, rangeln und auf dem Boden schmeißen. Ist es auch! Das hält die Frauen hier aber nicht davon ab es auch zu spielen. Somit durften wir Zeuge eines Kabadispieles zwischen Frauen werden und da ging es mit Sicherheit genauso heiß her wie bei den Männdern. Es wurde gerangelt, geschrieen und auch zwischendurch hitzig diskutiert, wer im Recht ist.

A propos Feste. Wir hatten zum zweiten mal das Vergnügen einen Sari tragen zu dürfen. Sie sind zwar wunderschön und Inderinnen sehen bezaubernd in ihnen aus, aber für mich bleibt es eher eine Verkleidung. Ich kann nicht in ihnen laufen, gehen, sitzen und vom Pipi machen fange ich jetzt mal nicht an.
Wiir haben mit Wasserfarben gemalt. Nicht nur Bilder wurden bemalt, sondern auch Boden, Wände und Kinder.
Bisschen rumsauen mit Farben hat noch jedem Kind spaß gemacht.

4 Mädels aus unserem Waisenhaus. Sie können, wenn sie wollen, aber auch wie kleine Engel aussehen.
Das Grinsen sagt mehr als tausend Worte!


Ooobsttag. Luise und ich hatten die fixe Idee mit den Kindern einen Obsttag zu veranstalten. Dazu gehörte es, Früchte mit verschlossenen Augen zu eraten, Topfschlagen zu spielen mit der Belohnung eine Frucht zu bekommen und zum Schluss einen Obstsalat zu machen. Begleitet haben uns 3 weitere Studenten aus Deutschland die sich gerne mal den Alltag bei uns anschauen wollten.

Haus streichen auf indisch! Sowas bekommt man zusehen, wenn man morgens aus dem Fenster guckt.
 Bis bald Johanna




Geduld ist das Zauberwort.

                                                                                                                                               27.10.2014

Geduld. Ohne Geduld und Nerven wie Drahtseile geht hier im lieben Indien überhaupt nichts. Es fängt mit dem allmorgendlichen Basic-Lärm an. Verkäufer die unten auf den Straßen lauthals verkünden, was sie verkaufen, Musik von einem Festival was mal wieder am Gange ist und im Moment kommen auch noch ohrenbetäubende Böller dazu da das Divali Festival vom 22-23.10 ist. Als ich morgens um 7 Uhr damit geweckt wurde, dachte ich müsse mich flach auf den Boden legen und meinen Kopf mit den Händen schützen. Tagsüber geht es dann mit den wunderbar dauerhupenden Autos weiter. Allgemein gilt:
Hupen ersetzt Bremsen!
Wenn man besonders viel Glück hat, wird man dann noch nachts von einer Hochzeitsfeier geweckt. Trommeln,  so etwas ähnliches wie Orgelmusik und Gesang dürfen da natürlich nicht fehlen. Darüber freut man sich besonders um halb 4 Uhr nachts, wenn man keine Ahnung hat was da los ist.
Allerdings hört sich das alles auch schlimmer an als es ist. An den Basic-Lärm und den lauten Grundton der hier herrscht gewöhnt man sich und man passt sich einfach an. Zudem schaffe ich es auch den  allermeisten Lärm nachts und morgens einfach zu ignorieren und weiter zu pennen. Und zum Beispiel bei Gesprächen auf den Straßen hält man einfach mal kurz die Klappe, wenn ein hupender Bus an dir vorbeirauscht. Gegen an schreien ist nur unnötig anstrengend und bringt eh nichts. Am Ende ist die Hupe lauter.
Geduld ist für die Arbeit mit Kindern auch eine recht nützliche Charaktereigenschaft. Wenn wir mit den Kindern im Waisenheim arbeiten, sollen wir nach deren Meinung überall gleichzeitig sein, mit allen unsere Zeit verbringen und sowieso überall Augen und Ohren haben. Das kann zeitweise recht viel werden. Überall kann man eh nicht sein und somit teilt man sich seine Zeit ein und versucht gerecht seine Aufmerksamkeit auf die Kinder zu verteilen. Auch wenn gleichzeitig 10 Mädchen ‘Johanna sister‘ rufen und sich an alle Gliedmaßen von dir hängen die sie finden können. Nach der zehnten Wiederholung, dass ich gerade keine Zeit habe oder versuche ein Gespräch zu führen, hat man sogar manchmal Glück und sie warten stillschweigend auf dich. Da muss man allerdings schon sehr viel Glück haben. Auch bei alltäglichen Dingen wie Hausaufgaben zahlt es sich aus, Geduld zu zeigen. Ich bin schon das ein oder andere Mal in die Bedrängnis gekommen, bei den Mathehausaufgaben helfen zu müssen.
Wenn mein alter Mathelehrer das wüsste, er würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Fürs addieren, subtrahieren und multiplizieren reicht es aber selbst bei mir noch und wenn es ans Eingemachte geht DIVIDIEREN schicke ich sie einfach zu Luise :D!
Die meisten Mädchen mögen Mathe nicht sonderlich, was ich gut nachvollziehen kann, aber eigentlich nur, weil es ihnen so schwer fällt. Allerdings mit ein bisschen Geduld und Sitzfleisch konnte ich erste Erfolge feiern mit der kleinen Shushmita. Wir haben mehrere Tage hintereinander immer und immer wieder Plus und Minus und wieder Plus gerechnet. Am Ende hatte sie es einfach drauf und man kann sich das Grinsen, wenn sie eine Aufgabe richtig hatte nicht vorstellen. Von einem Ohr zum anderen ging es und plötzlich macht das ganze sogar noch Spaß und sie forderte mehr Aufgaben. Wenn sie allerdings einen schlechten Tag hatte und etwas nicht verstanden hat, rollten die dicken Krokodils Tränen vor Verzweiflung. Da musste ich unweigerlich an mich und meinen Vater denken. Der hatte früher auch die heldenhafte Aufgabe mir Mathe verständlich zu machen, was ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen war und eigentlich immer im Streit endete. Da ist das Lernen mit Shushmita eindeutig öfter mit Erfolg gekrönt.
Shushmita
Auch lesen üben ist so eine Sache wo man viel Zeit und Muße mitbringen muss. Es lohnt sich aber Geduld zu zeigen. Wenn die Kinder merken das sie sich verbessern und etwas von alleine hinbekommen, dann war es das warten, die Erklärungen und die 100 fache Wiederholungen dessen wert.
Ich bin mir sicher, dass Geduld eine Eigenschaft ist die ich neu nach Deutschland mitbringen werde. Ich hätte mich vor 3 Monaten noch nicht zu den geduldigsten Menschen gezählt, aber ich bin mir sicher, dass sich das hier ändert. 2 Stunden auf den Bus warten ist okay, 2 Stunden auf den Zug warten ist okay, 5x den Kindern das gleiche erklären ist okay, 1 Stunde auf die Schülerinnen warten die man unterrichten will ist okay.
Man sollte da einfach mal relaxed bleiben und nicht immer alles so eng sehen. Immer weiter locker flockig aus der Hose atmen!
Grunddevise wenn wir unterrichten ist einfach ‘Der Weg ist das Ziel und nur weil man für den Weg ein bisschen länger braucht, heißt das noch lange nicht dass man das Ziel nicht erreicht. Man erreicht es einfach nur später, wenn man ein kleines bisschen Geduld zeigt`!
Bis bald Johanna