Montag, 27. Oktober 2014

Impressionen

Es war mal wieder Festivalzeit, diesmal unter dem Namen 'Bathukamma', welches ein Blumefest ist. Das Bild zeigt ein paar Kinder die im Wasser spielen, dass mit Blumen gefüllt wurde.

Die große Entdeckung. Es ist manchmal schon schwierig genug einen normalen Mülleimer ausfindig zu machen. Etwas zu finden, wo man auch noch Müll trennen kann, war der Wahnsinn.

Kochen ist hier in den allermeisten Fällen immer noch Chefsache, also Frauensache. An der Geburtstagfeier unserer Präsidentin saßen alle Mitarbeiterinnen zusammen und kochten stundenlang für mehrere hundert Leute.
Wie gesagt, wenn gekocht wird, dann im großen Stile. Die Töpfe für Reis sind dementsprechend groß.

Kabbadi. Ich erwähnte das Spiel schon einmal. Da dachte ich allerdings noch, dass es ein Mänderspiel sei mit prügeln, rangeln und auf dem Boden schmeißen. Ist es auch! Das hält die Frauen hier aber nicht davon ab es auch zu spielen. Somit durften wir Zeuge eines Kabadispieles zwischen Frauen werden und da ging es mit Sicherheit genauso heiß her wie bei den Männdern. Es wurde gerangelt, geschrieen und auch zwischendurch hitzig diskutiert, wer im Recht ist.

A propos Feste. Wir hatten zum zweiten mal das Vergnügen einen Sari tragen zu dürfen. Sie sind zwar wunderschön und Inderinnen sehen bezaubernd in ihnen aus, aber für mich bleibt es eher eine Verkleidung. Ich kann nicht in ihnen laufen, gehen, sitzen und vom Pipi machen fange ich jetzt mal nicht an.
Wiir haben mit Wasserfarben gemalt. Nicht nur Bilder wurden bemalt, sondern auch Boden, Wände und Kinder.
Bisschen rumsauen mit Farben hat noch jedem Kind spaß gemacht.

4 Mädels aus unserem Waisenhaus. Sie können, wenn sie wollen, aber auch wie kleine Engel aussehen.
Das Grinsen sagt mehr als tausend Worte!


Ooobsttag. Luise und ich hatten die fixe Idee mit den Kindern einen Obsttag zu veranstalten. Dazu gehörte es, Früchte mit verschlossenen Augen zu eraten, Topfschlagen zu spielen mit der Belohnung eine Frucht zu bekommen und zum Schluss einen Obstsalat zu machen. Begleitet haben uns 3 weitere Studenten aus Deutschland die sich gerne mal den Alltag bei uns anschauen wollten.

Haus streichen auf indisch! Sowas bekommt man zusehen, wenn man morgens aus dem Fenster guckt.
 Bis bald Johanna




Geduld ist das Zauberwort.

                                                                                                                                               27.10.2014

Geduld. Ohne Geduld und Nerven wie Drahtseile geht hier im lieben Indien überhaupt nichts. Es fängt mit dem allmorgendlichen Basic-Lärm an. Verkäufer die unten auf den Straßen lauthals verkünden, was sie verkaufen, Musik von einem Festival was mal wieder am Gange ist und im Moment kommen auch noch ohrenbetäubende Böller dazu da das Divali Festival vom 22-23.10 ist. Als ich morgens um 7 Uhr damit geweckt wurde, dachte ich müsse mich flach auf den Boden legen und meinen Kopf mit den Händen schützen. Tagsüber geht es dann mit den wunderbar dauerhupenden Autos weiter. Allgemein gilt:
Hupen ersetzt Bremsen!
Wenn man besonders viel Glück hat, wird man dann noch nachts von einer Hochzeitsfeier geweckt. Trommeln,  so etwas ähnliches wie Orgelmusik und Gesang dürfen da natürlich nicht fehlen. Darüber freut man sich besonders um halb 4 Uhr nachts, wenn man keine Ahnung hat was da los ist.
Allerdings hört sich das alles auch schlimmer an als es ist. An den Basic-Lärm und den lauten Grundton der hier herrscht gewöhnt man sich und man passt sich einfach an. Zudem schaffe ich es auch den  allermeisten Lärm nachts und morgens einfach zu ignorieren und weiter zu pennen. Und zum Beispiel bei Gesprächen auf den Straßen hält man einfach mal kurz die Klappe, wenn ein hupender Bus an dir vorbeirauscht. Gegen an schreien ist nur unnötig anstrengend und bringt eh nichts. Am Ende ist die Hupe lauter.
Geduld ist für die Arbeit mit Kindern auch eine recht nützliche Charaktereigenschaft. Wenn wir mit den Kindern im Waisenheim arbeiten, sollen wir nach deren Meinung überall gleichzeitig sein, mit allen unsere Zeit verbringen und sowieso überall Augen und Ohren haben. Das kann zeitweise recht viel werden. Überall kann man eh nicht sein und somit teilt man sich seine Zeit ein und versucht gerecht seine Aufmerksamkeit auf die Kinder zu verteilen. Auch wenn gleichzeitig 10 Mädchen ‘Johanna sister‘ rufen und sich an alle Gliedmaßen von dir hängen die sie finden können. Nach der zehnten Wiederholung, dass ich gerade keine Zeit habe oder versuche ein Gespräch zu führen, hat man sogar manchmal Glück und sie warten stillschweigend auf dich. Da muss man allerdings schon sehr viel Glück haben. Auch bei alltäglichen Dingen wie Hausaufgaben zahlt es sich aus, Geduld zu zeigen. Ich bin schon das ein oder andere Mal in die Bedrängnis gekommen, bei den Mathehausaufgaben helfen zu müssen.
Wenn mein alter Mathelehrer das wüsste, er würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Fürs addieren, subtrahieren und multiplizieren reicht es aber selbst bei mir noch und wenn es ans Eingemachte geht DIVIDIEREN schicke ich sie einfach zu Luise :D!
Die meisten Mädchen mögen Mathe nicht sonderlich, was ich gut nachvollziehen kann, aber eigentlich nur, weil es ihnen so schwer fällt. Allerdings mit ein bisschen Geduld und Sitzfleisch konnte ich erste Erfolge feiern mit der kleinen Shushmita. Wir haben mehrere Tage hintereinander immer und immer wieder Plus und Minus und wieder Plus gerechnet. Am Ende hatte sie es einfach drauf und man kann sich das Grinsen, wenn sie eine Aufgabe richtig hatte nicht vorstellen. Von einem Ohr zum anderen ging es und plötzlich macht das ganze sogar noch Spaß und sie forderte mehr Aufgaben. Wenn sie allerdings einen schlechten Tag hatte und etwas nicht verstanden hat, rollten die dicken Krokodils Tränen vor Verzweiflung. Da musste ich unweigerlich an mich und meinen Vater denken. Der hatte früher auch die heldenhafte Aufgabe mir Mathe verständlich zu machen, was ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen war und eigentlich immer im Streit endete. Da ist das Lernen mit Shushmita eindeutig öfter mit Erfolg gekrönt.
Shushmita
Auch lesen üben ist so eine Sache wo man viel Zeit und Muße mitbringen muss. Es lohnt sich aber Geduld zu zeigen. Wenn die Kinder merken das sie sich verbessern und etwas von alleine hinbekommen, dann war es das warten, die Erklärungen und die 100 fache Wiederholungen dessen wert.
Ich bin mir sicher, dass Geduld eine Eigenschaft ist die ich neu nach Deutschland mitbringen werde. Ich hätte mich vor 3 Monaten noch nicht zu den geduldigsten Menschen gezählt, aber ich bin mir sicher, dass sich das hier ändert. 2 Stunden auf den Bus warten ist okay, 2 Stunden auf den Zug warten ist okay, 5x den Kindern das gleiche erklären ist okay, 1 Stunde auf die Schülerinnen warten die man unterrichten will ist okay.
Man sollte da einfach mal relaxed bleiben und nicht immer alles so eng sehen. Immer weiter locker flockig aus der Hose atmen!
Grunddevise wenn wir unterrichten ist einfach ‘Der Weg ist das Ziel und nur weil man für den Weg ein bisschen länger braucht, heißt das noch lange nicht dass man das Ziel nicht erreicht. Man erreicht es einfach nur später, wenn man ein kleines bisschen Geduld zeigt`!
Bis bald Johanna

Dienstag, 7. Oktober 2014

Das große kleine Hampi!




An Luise und meinem 2 Monatigen in Indien sind wir für 2 Nächte mit den beiden anderen in den wunderschönen Ort Hampi gefahren. Hampi ist nicht sehr weit weg und liegt westlich von Hyderabad. Es ist sicherlich nicht die größte, belebteste und bevölkertste Stadt Indiens, aber voller alter Tempel, Palästen und nicht zu guter Letzt auch alter Steine. Mit dem Nachtbus haben wir zu viert das Abenteuer von Hyderabad aus gewagt. Viel Schlaf gab’s zwar nicht, dafür einen Sonnenaufgang mit Chai vom Dach unseres Gasthauses, welches wir auf Anhieb als wir ankamen fanden. Auf Anfrage durften wir sogar alle zusammen ein Doppelzimmer belegen um Geld zu sparen. Das sogenannte Village welches Hampi hat, besteht aus ungefähr 5 Straßen und jedes Haus ist zum Gasthaus für Touris umfunktioniert. Es tat gut nach der ersten Zeit endlich mal nicht als einziger Papagai angesehen zu werden.  Hampi ist ein ziemlich beliebtes Touristenziel und somit liefen wir nicht als einzige Weißbrote auf den Straßen rum. Ganz im Gegensatz zu Hyderabad. Wir saßen morgens zum Frühstück in einer/m ziemlich gemütlichen Bar/Bistro/Restaurante. Diese/s war im 2. Stock ohne Wände sodass man zu jeder Seite rausgucken kann und nur mit Matten und niedrigen Tischen ausgelegt ist. Wir haben uns einen ziemlichen mörder Tag vorgenommen, aber alles wie echte Männer auch durchgezogen. Mehrere Tempel, alte Ruinen und am Ende der Sunset von einem Berg hinter einem Tempel warteten auf uns. Zudem durfte ich meinen ersten indischen Elefanten sehen. Einfach nur beeindruckende, riesige Geschöpfe. Es war anstrengend da uns eine schlaflose Nacht in den Gliedern hing, aber wir haben uns auf unseren 1. Gemeinsamen Urlaub so gefreut, sodass auch die sicherlich mehr als 30 Grad uns nicht aufhielten. Die Sonne und unsere naive Idee keine Sonnencreme mitzunehmen, hat uns nach dem 1. Tag allen einen Sonnenbrand eingehandelt.
 Herumkutschiert wurden wir von unserem lieben Ronaldo, der uns den 1. Tag mit seiner Auto Riksahw von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit brachte. Mit dem hatten wir auch so unseren Spaß. Er drückte Luise kurzerhand die Bremse des Autos in die Hand damit er kurz aussteigen kann. Der Motor heult auf und sie fängt aus Panik einfach an zu schreien, dass sie keinen Führerschein hat. Worauf Ulla und Christina natürlich auch nichts Besseres zu tun hatten, als in das Geschrei einfach mit einzusteigen…Ich saß daneben und hatte nur Angst um Ronaldo, der Muß gewesen wäre, wären wir wirklich losgefahren. :D  Auch haben die Mädels kein Kuhhaufen ausgelassen und die rutschigen Steine  beim Aufstieg eines Berges waren auch nichts für unsere Schuhe, die zugegebenermaßen wenig Profil aufzuweisen hatten.  Größere Fauxpas hatten wir aber nicht. Dafür dass wir komplett ohne Vorbereitung oder Vorwissen  nach Hampi gefahren sind, hat alles wirklich wie am Schnürchen geklappt.
Den 2. Morgen durften wir um 5 Uhr morgens beginnen, da unser Gastvater uns einlud mit ihm zum Berg mit dem Tempel an dem wir schon wegen dem Sonnenuntergang waren zufahren und mit ihm Yoga zumachen. Zu solch einem Angebot konnten wir natürlich nicht nein sagen, selbst wenn ich dafür früh aufstehen muss. Und was soll ich sagen? Die Verwirrung am Morgen, wieso jemand mitten in der Nacht einen Wecker stellt, hat sich gelohnt. Mit der aufgehenden Sonne im Gesicht,  mit dem Blick auf Hampi versuchen zu meditieren war eine fantastische Sache, die ich sofort wiederholen würde! Der Tag begann also wieder ordentlich früh, aber dafür auch wieder mit einem ordentlichen Frühstück. Frühstückseier, Kaffee, Müsli, Obst, Pfannkuchen Lassis (indische Fruchtsäfte) für wenig Geld belebten uns. Danach klapperten wir noch den Rest der Sehenswürdigkeiten zu Fuß ab. Wir stiegen einen Berg hinauf der zugegebernmaße nicht sonderlich hoch war, wo wir aber alle komplett verschwitzt und keuchend oben ankamen.  Die wundervolle Aussicht lohnte sich aber und war für mich der Höhepunkt der Reise. Am Ende des Tages, haben wir dann doch noch ein wenig das Mädchen in uns herausgelassen und sind ‘bummeln‘ gegangen. Wir waren am Abend alle glücklich, kaputt und hungrig. Also haben wir unser Trip in einem Restaurant ausklingen lassen, wo wir alle nochmal ordentlich reingehauen haben, da wir wieder 7h Busfahrt vor uns hatten.
Nicht das der Eindruck entsteht wir hauen das Geld nur so raus. Wenn wir essen gegangen sind, dann haben wir immer so um die 2-4 Euro umgerechnet für unsere Mahlzeiten ausgegeben. Trotz des niedrigen Preises war das Essen immer eins A, zum sattwerden und völlig unbedenklich.
Nach der Busfahrt durften Luise und ich direkt wieder zur Arbeit mit den Kindern im Waisenhaus. Anstrengend war es zwar, da wir die letzten 3 Nächte nicht viel geschlafen hatten, aber wer in den Urlaub fahren kann, der kann danach aber auch abreiten gehen. In der nächsten Nacht habe ich dann mit 13h Schlaf meine Schlafreserve aufgefüllt. 
Für den richtigen Eindruck noch ein paar Bilder:

 
Tolle Geschöpfe diese Elefanten!

Uund ganz freundlich in die Kamera!

Das Vehikel will auch gesäubert sein!

(I)dyllisch!

Ein bisschen romantsich dem Sunset zusehen!


Yoga mit dem Sonnenaufgang im Gesicht und diese tolle Aussicht im Rücken. Damit lässt sich doch arbeiten!

Gibt es einen besseren Standort für einen Friseur? Ich glaube ja nicht.


Frühstück Delux!




 Mit freundlichen Grüßen, Luise und Johanna